Thursday, September 8, 2022

Luxor-iös

7.9.2022

Nachdem wir, etwa eine Stunde früher als geplant, gegen 22:00h gelandet sind, stellen wir gleich nach Ausstieg fest, dass wir eindeutig in Vegas sind - in der Halle mit den Gepäckbändern stehen nämlich die ersten Spielautomaten. Mit Leuten dran. Am späten Abend.
Das zweite Indiz ist die Hitze, die uns jenseits der Türen entgegenschägt - klar, wir sind in der Wüste. Dass aber nachts um halb 11 noch 38°C herrschen, hätte ich dann doch nicht gedacht.

Das Auto, das Micha im Vorfeld über den ADAC gebucht hat, müssen wir noch abholen. Das Terminal für die Autoverleihe erreichen wir nur per Bus, in dem bereits pausenlos aus einem Bildschirm amerikanisch nervtötende Werbung quakt. Viva Las Vegas.

Bei Autovermietung Alamo (bisschen komischer Name für ein Unternehmen, aber ok) gehen wir mehrfach sicher, dass die über den ADAC gebuchten Details stimmen, dann nehmen wir unser Auto entegegen. Wir dürfen uns zwischen einer silbernen Toyota Limo und einem Dodge Charger entscheiden - die zählen als dieselbe Gefährtsklasse (auch ok). Wir nehmen den Dodge in olivgrün. Micha freut sich. 

Bevor wir uns auf den Weg zu unserer Bleibe am neuen Strip machen, brauchen wir noch schnell etwas zu essen - auf dem Flug (Delta) gab es nämlich zwar genau 117 Filme zur Auswahl, aber keine Mahlzeit bei 4 Stunden Flug. Die Wahl fällt auf In-N-Out Burger, eine Kette aus Kalifornien, von der ich Amerikaner aus den Südwest-Staaten schon oft habe schwärmen hören. Und wir müssen ihnen Recht geben; nicht nur passt die Inneneinrichtung, die stilmäßig sehr in den 50ern verblieben ist, wunderbar zu meinem Outfit, die Burger und Pommes werden tatsächlich frisch für jede Bestellung zubreitet und sind simpel, aber lecker.

Auf zum Hotel! Unsere ersten beiden Nächte - unter der Woche, daher in Vegas spottbillig - haben wir im Luxor gebucht. Das ist ein Hotel mit Ägypten-Thematik, weshalb natürlich die Tutanchamun-Sphinx vor der Tür und eine in die Nacht leuchtende Pyramidenspitze nicht fehlen dürfen. Um das Hotel zu finden ist das tatsächlich auch ganz praktisch - man folge einfach dem GIANT BEAM OF LIGHT. Die Straßen sind - typisch Amerika jenseits der Nordoststaaten - viel zu breit und viel zu vielspurig, aber mit einer leicht sprunghaften Google-Navigation bekommen wir das ganz gut auf die Reihe.

Das Luxor ist... something else. Ein wirklich (buchstäblich!) schräger Anblick von innen. Gebäude in einem Gebäude, die Pyramide ist auch innen als solche klar erkennbar, weil die Flure der Stockwerke zur riesigen inneren Halle nur mit einer Ballustrade abgegrenzt sind. Wir werden auf Stock 4 untergebracht. Quasi das D-Deck der Vegas-Hotels. Trotzdem brauchen wir unsere Zimmerkarten, um überhaupt den Aufzug nutzen zu können (der maximal bis Stock 5 von... 30? fährt). Man bemüht sich um den Flair von Exklusivität und VIP-Status, auch wenn der Teppichboden aussieht wie schonmal gegessen. Der erschwingliche Strip hat seine Glanzzeiten definitiv hinter sich. Das sagt auch der Wasserfleck an unserer Zimmerdecke. Das Bett ist trotzdem sehr gemütlich.

Wednesday, September 7, 2022

New York im Schnelldurchlauf - 10 Jahre später

 Denn so ist es Tradition. Dieses Mal sogar tatsächlich vollständig. 


2.9.

7:30 MEZ: Michas Papa fährt uns lieberweise zum Flughafen. Eine halbe Stunde Fahrt ist schon praktisch. In Frankfurt ist wie üblich viel los, dank Lufthanse-Streiks aber weit weniger als befürchtet. Vielleicht auch deswegen läuft alles glatt. Uns stehen gut 8 Stunden Flug ins Haus - in einem Flugzeug, das sich an einem 90s-Revival versucht, zumindest, was die Ausstattung angeht. Wohl auch deswegen wird vor Abflug mehrfach darauf hingewiesen und versichert, dass das Flugzeug allen modernen Sicherheitsstandards entspricht und regelmäßig dorthingehend überprüft wird. Glauben wir's mal.

16:30 Eastern Standard Time: Ankunft an Flughafen JFK, mit der U-Bahn rein in die Stadt und nach Brooklyn zu unserem AirBnB. Unser Gastgeber scheint nicht da zu sein, aber wir kommen rein. Es gibt eine Dachterasse - nice. Wir holen uns fettige (und zu teure) Pizza und schauen uns auf dem Dach den Sonnenuntergang an. Wir gehen (für unsere Verhältnisse) früh ins Bett und werden mitten in der Nacht von lauter Musik und buntem Lich geweckt - scheinbar dachte unser Gastgeber, wir wären ausgeflogen. Whoops.


3.9.

Aufstehen um 8 Uhr - los geht's in die Stadt, es gibt viel zu sehen. Wir fahren bis zur High Street und laufen über die Brooklyn Bridge und kaufen eine Bleistiftzeichnung von einem Straßenkünstler. Das Wetter ist perfekt. Dann geht's nach Chinatown, wo wir eine Weile durch die Gegend laufen und ich mich erneut darin bestätigt fühle, dass Manhattan alle 3 Meter nach etwas anderem stinkt. Nur eins hat sich seit 2012 geändert: Der wohl häufigste Geruch neben Pisse ist jetzt Weed.

Wir schlängeln uns durch die Gassen, kaufen einen riesigen rosa Pfirsich, dann steigen wir in eine U-Bahn und fahren zur Station South Ferry, wo wir auf die (nach wie vor kostenlose) Fähre Richtung Staten Island steigen, um einen schönen Blick auf die Skyline von Manhattan zu bekommen. Wir treten auch gleich wieder die Rückreise an und kehren nach Chinatown zurück, um dort zu Mittag zu essen. Uns war in einer der engen Gassen ein Restaurant ins Auge gefallen, das mit frisch selbstgemachten Nudeln warb. Sehr lecker, auch und gerade der chinesische Gurkensalat, der über das letzte Jahr auf TikTok immer wieder viral gegangen ist (nicht dieser spezielle - das Gericht an sich). 

Nächste Station ist der Time Square, wo wir im Hard Rock Cafe hängen bleiben und uns an die Bar setzen. Wir trinken 1, 2 Drinks, laufen dann noch ein wenig weiter über die Glitzermeile, versuchen Shorts für mich zu finden (negativ) und machen uns dann auf den Heimweg.

 

4.9.

Wir fahren zum World Trade Center bzw. zu Ground Zero. Mich verlässt plötzlich schlagartig meine Energie und wir hängen ein wenig durch. Die Cola Light, die ich auf leeren Magen trinke, ist auch nicht gerade hilfreich - ich brauche wohl was zu essen. Wir fahren kurzentschlossen erneut zum Hard Rock Cafe und essen dort zu Mittag. Danach bewegen wir uns Richtung Rockefeller Center, bleiben aber an einem Platz mit Brunnen ein, zwei Blocks davor hängen. Am Himmel hängen dicke Wolken, vielleicht macht mir einfach der Luftdruck zu schaffen. Jedenfalls setzen wir uns danach nur noch kurz in den Central Park und kehren dann nach Brooklyn zurück, wo wir den Abend erneut mit Pizza auf der Dachterasse ausklingen lassen.

 

5.9.

Ein Kommilitone und Freund aus Landau schreibt mich an - er und sein Mann sind seit gestern auch in New York, wir verabreden uns lose irgendwo auf der High Line. Zunächst gehen wir aber zu Chelsea Market, der Micha wärmstens empfohlen wurde. An der U-Bahn-Station, an der wir aussteigen, sind kleine, süße Kupferfiguren in der ganzen Station verteilt, die Micha alle fotografieren muss. Mir fällt ein Schild mit redundanter Aufschrift auf. 

Nach einer mittelkurzen Erkundung des Chelsea Market essen wir bei einem koreanischen Restaurant zu Mittag. Teuer, aber auch hier sehr lecker. Dann steigen wir hoch auf die High Line und treffen uns mit Sven und Marius. Die beiden sind die Line bereits zweimal abgelaufen, aber schließen sich uns erneut an. Am anderen Ende verabschieden sie sich, wir überlegen, was wir nun tun. Ich finde außerdem heraus, dass die gepunkteten Motten mit knallroten Unterflügeln, die wir seit Tagen überall sehen, eine invasive Spezies aus China sind, die sich vor etwa 5 Jahren fest in New York angesiedelt haben. Kein Wunder also, dass man die überall zerquetscht sieht. 

Wir kehren kurz zum Chelsea Market zurück und holen uns ein paar überteuerte Mini-Donuts. Dann fahren wir zum Rockefeller - und nehmen unterwegs noch die Grand Central Station mit - und dann hoch auf die Aussichtsplattform. Teuer, aber Micha war es wichtig und das ist wichtiger. Wir genießen den Ausblick nach allen Seiten bei dicken Gewitterwolken, in denen einmal die Gebäudespitzen für einige Minuten verschwinden, dann schauen wir uns den Sonnenuntergang an und wie langsam alle Lichter angehen. Auf dem zweithöchsten Level posieren zwei junge Frauen minutenlang wie bei einem Playboy-Shooting vor dem Panorama des Empire State Buildings. Vielleicht passend bei einem Phallus-Symbol ;)
Nach der Abfahrt gönnen wir uns eine kurze Pause am Rockefeller Square und schauen einigen Leuten auf einer aufgebauten Roller Rink zu. Zwei Frauen fahren extrem gut - eine von ihnen mit vollem Körpereinsatz. Absolut fasznierender, ästhetischer Anblick.


6.9.

Wir mieten ein Auto, um nach New Jersey rüber zu fahren. Durch Manhattan durch und in den Holland Tunnel zu kommen, ist ein Alptraum. Drüben kehren wir auf Liams Epfehlung in Hoboken in einem Diner auf der Washington Street ein. Stellt sich als Kette heraus - aber der nostalgische 50s Vibe kommt gut rüber. Es regnet schon den ganzen Tag in Strömen - auch, als wir uns auf den Weg zum MetLife Stadium für das Rammstein-Konzert machen, das mehr oder weniger der Aufhänger für diesen ganzen Urlaub war. Wir bereuen, keine Regen-Ponchos gekauft zu haben, als wir vor Ort feststellen, dass unsere Plätze null überdacht sind. Dafür sind wir näher dran als gedacht.

Bevor die Show losgeht, treffen wir einen Australier, der ursprünglich aus Deutschland kommt. Er wurde in Mainz geboren und hat dort gelebt, bis er 9 war. Go figure. Er freut sich sehr - sein Sohn spricht kein Wort Deutsch. Als er dann anfängt, sich über übertrieben politische Korrektheit zu mockieren, bin ich ganz froh, dass die Unterhaltung nicht endlos weitergehen kann.

Das Konzert ist so mittel - die Show is phänomenal, die Stimmung leider lange nicht so gut, wie sie dementsprechend sein sollte. Till Lindemann wirkt wie üblich irgendwo zwischen Rausch und Hirnerschütterung und singt deshalb lange nicht so gut wie auf Band, die Musik läuft ziemlich nach Vorschrift. Trotzdem bin ich froh, Rammstein mal live gesehen zu haben.

 

7.9.

Wir "checken aus" und verabschieden uns von unserem Gastgeber Duery, mit dem wir irgendwann während der letzten Tage dann doch mal persönlich ein paar Worte gewechselt hatten. Dann geben wir das Leihauto vom Vortrag zurück und statten schnell dem nächstengelegenen McDonalds einen Besuch ab, bevor wir uns ein letztes Mal für diesen Abschnitt der Reise auf den Weg nach Manhattan machen - we have a show to catch.

Wir stellen uns zum perfekten Zeitpunkt in der Schlange für Hadestown an. Die Koffer können wir einfach und kostenlos an der Garderobe abgeben, unsere Plätze sind der Hammer und die Show ist alles, was ich mir erhofft habe - wunderschöne Musik und rührende Momente.

Wir kommen ein wenig in Stress, als wir uns auf den Weg zum Flughafen machen, allerdings letztendlich unnötigerweise. Unseren Koffer habe ich beim Online-Check-In schln dazu gebucht (der war nicht inklusive bei Inlands-Flügen) und auch sonst läuft alles glatt. Micha und ich sind uns einig: Bis auf das Mietauto, das teurer war als erhofft und erwartet, haben wir in New York alles "richtig gemacht" ;)


Thursday, March 15, 2018

Freezing Frisco


Puh. An meinem letzten Abend in San Francisco sitze ich allein in meinem 4-Bett-Zimmer und friere. Das Hostel ist zwar wirklich schön und hat Charme, aber sein Alter (1920er) macht sich leider unter anderem anhand der zugigen Fenster bemerkbar.
Heute war ich auf Alcatraz; wie befürchtet war das Wetter wieder schlechter als gestern, wodurch mir das wohl relativ typische Erlebnis von reichlich Wind und Regen zuteil wurde. Allerdings, hätte ich gestern einen Platz auf der Fähre bekommen, hätte ich in der heutigen Plörre in der Stadt herumgeistern müssen und wenig killt meine gute Laune so zuverlässig wie das. Vorhin hab ich schon wieder Heimweh bekommen, weil der Himmel komplett  hinter der Wolkendecke verschwand. Nervig, diese Wetterabhängigkeit.
Wie dem auch sei, heute Morgen wollte ich mich eigentlich um einen neuen Laptop kümmern, was dann aber zeitlich leider nicht mehr ganz hingehauen hat; bei Office Depot hatten sie leider nichts, das mir passte (alles zu teuer und groß) und der nächste Best Buy war zu weit entfernt. Stattdessen bin ich dann gemütlich Market Street runtergelaufen, also wieder in den Financial District, bis runter zum Hafengebäude mit dem großen Uhrturm. Dann weiter an den Docks lang bis hoch zum Pier 33, wo die Alcatraz-Fähre ablegt. Ich halte immer wieder zwischendrin an - San Francisco ist wirklich wunderschön.
Ziemlich genau Punkt 12:30 komme ich an – die Schlange ist auch schon entsprechend lang. Nach einer halben Stunde warten und im Gänsemarsch aufs Boot schieben gehts los durch kalten Nieselregen und Wind. Alcatraz strahlt zwar nicht so wie gestern, wird aber glücklicherweise nicht vom Nebel verschluckt. Auf „dem Stein“ angekommen mache ich mich langsam an den Aufstieg in den Zellenblock und folge der kostenlosen (bzw wohl eher: inklusiven) Audio Tour durch das Gefängnis. Im Recreational Yard fliege ich mehrfach fast weg, weil der Wind so stark ist. Und das mag zwar ein wenig übertrieben sein, aber tatsächlich schubst er mich fast die Treppe runter, reißt mir fast den (geschlossenen!) Regenschirm aus der Hand und schleudert mir sogar einmal beim Gehen einen Fuß in den anderen Knöchel. Beim Aufstieg zurück ins Gebäude spanne ich den ganzen Körper an, um nicht tatsächlich noch wegzufliegen. Und jetzt stelle man sich bitte vor, dass das die besten Momente für viele Sträflinge waren, eine halbe Stunde oder so fast vom kalten Wind weggeweht zu werden… wobei – wäre das wirklich möglich gewesen, hätten sich so einige Insassen sicher über die Fluchtmöglichkeit gefreut.
Nach dem Rundgang geistere ich noch ein wenig hin und her, aber auf die Gärten habe ich bei diesem Wetter nicht so viel Lust – da ist es mir wichtiger, noch rechtzeitig in den Süden zu kommen, um den Best Buy zu suchen, der mir gestern empfohlen wurde.
Gesagt, getan: Fähre um 15:45, etwa eine Stunde später komme ich an der richtigen BART-Station an – am Ausgang gibt es hier keine Rolltreppe, ein Vater schiebt sein Fahrrad die steilen, zahlreichen Stufen hoch, während sein Kleinkind neben ihm wacker singend im gleichen Tempo Richtung Straße kraxelt. Einen hurtigen Spaziergang entlang Mission Street später komme ich beim Best Buy an, direkt unterhalb des Freeway und eingebettet in ein paar von San Franciscos Zeltmeilen. Etwas mehr als eine weitere Stunde später komme ich mit einem neuen Dell-Computer und ein wenig neuem Wissen über die Entwicklung von Computern über die letzten Jahre wieder aus dem Laden – grundlegend ist der Schluss aus dieser interessanten Unterhaltung, dass man jetzt schlechtere Hardware für das gleiche Geld wie früher bekommt, um peppigere (und ja, in ein paar Hinsichten leistungsfähigere...) Betriebssysteme zu bekommen. Meh. Verkäufer Jason war jedenfalls sehr nett, sagte zu oft „for better or for worse“ und arbeitet momentan pro bono an einem Videospiel mit; sein erstes Jahr in San Francisco war er obdachlos, während er studiert und gearbeitet hat. No fucking way werde ich jemals in dieses Land ziehen.

Tuesday, March 6, 2018

Finally got back in!

@_@ Ich hab jetzt etwa eine Woche gebraucht, um mich in meinen eigenen Google-Account für diesen Blog einzuloggen. Google hat ziemlich solide Sicherheitsvorkehrungen... so solide, dass sie einen aus dem eigenen Acount ausperren, wenn man verreist und dann an einem anderen Ort als dem gewohnten sein Passwort zurücksetzen muss. Mann :D
Naja. Jetzt hat's irgendwie funktioniert. War kurz davor, einen Zweitblog zu starten. Fange dann wohl mal an, die letzten Tage zumindest im Groben aufzuschreiben... Posts bis zum 6.3. tauchen dann vor diesem auf, damit die Timeline der Events stimmt.

Friday, March 2, 2018

Con & Conor

Freitag beginnt mit einem frühen Morgen - die Con geht um 10 Uhr los. 7 Uhr wach - ich habe fast 10 Stunden geschlafen - dann ein wenig Internetting. Zoey geht sich schminken, ich packe ein wenig um und bin froh, die knallgelbe Tragetasche dabeizuhaben, die ich eigentlich nur als Tasche für die Kamera mitgenommen hatte. Zoey kommt zurück; heute ist Steve von Stranger Things dran... ihr Gesicht sieht sehr realistisch verballert aus. Fast ZU realistisch.

Auf dem Weg zum Convention Center kommen wir an den Girl Scouts vorbei - meine Gelegenheit, Girl Scout Cookies zu kaufen: Thin Mints und Tagalongs. Letztere sind nicht soooo meins, ich schätze Erdnussbutter glaube ich einfach nicht genug ;)

Einige Minuten später kommen wir beim Convention Center an. Das Gebäude selbst ist bereits a sight to behold. Draußen werden Schlüssel-, bzw. Tagespassketten von Dark Horse verteilt, drinnen holen wir uns erstmal ein Sandwich und gehen dann hoch zu den Hallen. First stop: Ausstellungshallen. Da gab es eindeutig zu viel, um davon sinnvoll erzählen zu können - Künstler verschiedenster facon, Verlage, private Sammler und Verkäufer, etc; und natürlich COSPLAY.



Bei Dark Horse erkundige ich mich nach dem Origin Comic zu CR, den es hier die ganze Con lang geben soll. Da die Auflage aus Gründen auf 1000 begrenzt wurde, sind sie für den Tag bereits ausverkauft, als ich frage. Zoey wird am Samstag netterweise erneut an meiner Stelle dort auflaufen und dieselbe Antwort bekommen. I tried.
Nach ein paar Stunden ist es dann so weit: Es wird Zeit für das Panel von Travis und Laura, das wir uns gemeinsam ansehen wollen, genauso wie das von Felicia Day direkt danach. Leider ist Zoey zu diesem Zeitpunkt verständlicherweise ein wenig abgelenkt und schlecht gelaunt, weil sich die Freundin, mit der sie eigentlich aus SF hier ist, bereits den ganzen Tag nicht wirklich bei ihr meldet, sondern mit anderen Freunden abhängt. Das führt dann auch dazu, dass sie während des Felicia Day Panels geht, um sie zu suchen. Macht aber nichts - ich höre mir das Interview noch so lange an, wie es interessant ist und gehe dann schließlich, um mich noch einmal in den Ausstellungs-bereich zurückzukehren und in Ruhe etwas zu kaufen, und mich schließlich noch ein wenig auf dem Artist Floor umzusehen, der ein Stockwerk höher liegt. Lange bleibe ich nicht, da sich nach einer Viertelstunde durch meine Müdigkeit und die Länge des Aufenthalts eine leichte Agoraphobie bei mir einstellt und das Herzrasen den Spaß dann doch sehr vermindert. Sechs Stunden Con sind dann ja auch mal genug. Auf dem Rückweg scoute ich noch nach dem Autoverleih, bei dem ich das Auto nach Portland abholen werde und verlege meine Abreise einen Tag vor. Dann ab ins Hostel.

Als ich mir in der Küche eine Fertigsuppe machen will und partout keinen Wasserkocher entdecken kann, bemerkt ein Typ am Waschbecken meine desorientierten Blicke. "Ye need some hot wodah?" fragt er mit australischem Akzent. Freches Grinsen. Here we go. This is a chat up.
Meine komplette Übermüdung lässt mich angesichts des Messers, das er gerade abspült, fast ein Dundee-"That's a knoif" zurückblubbern; ich fange mich gerade noch so, wirke dadurch aber wohl noch mehr neben der Spur. Ich hab auch eigentlich gar keine Lust auf Interaktion jetzt. Nachdem ich mich so aber durch ein paar Phrasen Smalltalk stolpere, gibt er immer noch nicht auf und bietet mir schließlich die Reste der gestampften Kartoffeln an, die er und sein bester Freund zum Abendessen hatten (er hat sie gekocht; normalerweise ist er primär für den Abwasch zuständig. Das merkt man den Kartoffeln an). Ich setze mich zu ihnen an den Tisch. Conor und James - von Conor liebevoll "Gahdie" genannt, aufgrund seines Nachnamens Gardner - sind 23, haben gerade die Uni absolviert und reisen jetzt 3 Monate durch Amerika. Nachdem ich einige Minuten sicher bin, mich demnächst aus der Unterhaltung verabschieden zu wollen, merke ich mit etwas im Magen dann, dass die beiden mir Spaß machen und lasse mich überreden, mit zur "Happy Hour" des Hostels zu gehen. Viel zu trinken gibt's da nicht und um 9 sind die Schotten dicht, aber es reicht, um mich dann auch noch dazu zu motivieren, mit in eine Bar zu kommen. Als klar wird, dass ich viel Zeit im Internet verbringe und Videospiele mag, unterbreitet mir Conor, dass er noch nie ein Mädchen wie mich getroffen hätte. Ich antworte auf diesen Spruch mittlerweile relativ unenthusiastisch, aber mir ist sowieso seit Anfang an klar, wo das hier hinführen soll... und das finde ich zu diesem Zeitpunkt vollkommen ok.

Thursday, March 1, 2018

Blaubeeren, Kuchen, Mineralwasser, WiFi, Schlafen

Nach dem Rush der Ankunft stellt sich mein typisches Erschöpfungs-Gefühl ein: Nicht bewusst müde, sondern quengelig. Alles, was nicht 100% passt, fördert ein vages Bedürfnis, zu weinen. Zum Glück kenne ich den Mist ja mittlerweile und weiß, was hilft - daher erstmal Wasser mit Kohlensäure und was Leckeres kaufen und keinerlei selbst auferlegte Verpflichtungen beschließen. Und online gehen. Genau das passiert - sitze dann auch relativ früh im Bett, versuche Critical Role live zu schauen... wofür leider das WiFi nicht reicht. Schreckliche Quali und dauernd Verbindungsabbrüche. Gott sei Dank bin ich eigentlich eh zu müde dafür :P In meinem Zimmer sind zwei Mädels aus Deutschland (natürlich), die gerade ihre Zeit als Aupairs hinter sich gebracht haben und jetzt noch ein wenig rumreisen, bevor's heimwärts geht. Ich bleibe froh darüber, dass ich nie AuPair gemacht habe.
Außerdem treffe ich das Mädchen, das im Stockbett unter mir schläft: Zoey ist aus San Francisco und kommt gerade von der Emerald City Comic Con zurück, als ich mein Gespräch mit den beiden Deutschen beende. Sie ist noch verkleidet als weiblicher Rick (Rick & Morty) und ich erfahre, dass sie die vollen vier Tage auf der Con sein wird - das ist commitment! :D Und schwups, wir beschließen, am Freitag zu zweit hinzugehen.

Sleepless to Seattle

Donnerstag, 1.3.2018, ~10:30 - Simon war so lieb, mich zum Flughafen zu fahren - immer schöner, sich nochmal unterhalten und verabschieden zu können. Von Simon gebracht zu werden, bedeutet allerdings auch, dass man ein großzügiges Zeitpolster hat - was dann durch die Verspätung meines Flugs noch um eine weitere halbe Stunde vergrößert wird. Oh well.
Meine Hoffnung, meinen Rucksack als Handgepäck aufgeben zu können, wird leider nicht Wirklichkeit - 6kg Limit. Ich dachte 10 - die hätte ich vllt noch hinbekommen (waren knapp 11) -, aber das gibt's nur für "Economy Premium". Denn es muss ja heute von allem die Permium Version geben.
Ebenfalls nicht so Premium ist die Schlange, die mich vor der Sicherheitskontrolle zu meinem Gate erwartet. Sie wurmt sich schon um die Ecke in den Gang. Da hilft wohl nur Warten.
Nach etwa zehn Minuten Stehen komme ich mit dem Menschen hinter mir ins Gespräch - ein promovierter Freiburger Chemiker in Harry-Potter-Shirt, der auf dem Weg zu seinen Schwiegereltern in Texas ist, wo ihn Frau und Kleinkind erwarten. Wir wandeln vom Thema Uni ins Thema Promotion, spezifische Forschungsthemen und landen - natürlich - bei Videospielen. Zwischendrin fällt immer wieder die eine oder andere Bemerkung zu seinem Söhnchen, typisch junge Eltern. Sehr süß - später während des Fluges schaut er immer wieder Bilder und Videos von "dem Kleinen" an. Da wir nur drei Reihen auseinander und auf nebeneinander gelegenen Sitznummern gebucht wurden, schaffen wir es, eine Dame mit mir Plätze tauschen zu lassen, sodass wir nebeneinander sitzen können. Das Entertainment System ist auch zugriffsbeschränkt - Nicht-Premium-Plebs müssen sich mit zwei Filmen begnügen: Der Legomovie und der zweite Teil vom Hobbit. Beide geschaut, Legomovie ist in der Tat unerwartet cool, Hobbit II ist good fun, aber halt etwas unnötig. Trotz allem ist der 11-stündige Flug aber sehr kurzweilig, ohne dass ich was wegschlafen kann (zu aufgeregt); Chemiker Philipp bleibt ein sehr angenehmer Gesprächspartner, ich lerne ein wenig zum Thema Veganismus dazu - auf Nachfrage übrigens, bevor jetzt irgendwer gleich wieder über militante Welverbesserer mit den Augen rollen möchte -, höre von seinen seltsamen russischen Mitarbeitern und erzähle ein paar Dinge aus meinem eigenen Dasein. Bei der Landung grinse ich wie ein Vollidiot. Gepäckausgabe, dann verabschieden wir uns. Schon krass, wie gut man jemanden irgendwie plötzlich kennt, wenn man 20 Stunden non-stop mit ihm verbringt.
Auf dem Weg zur Hochbahn durch die Parkdecks steht mitten auf der Fahrbahn ein imposanter Polizei-Geländewagen. Niemand drin, einfach nur da. Flex. Welcome back to the US of A.